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Dekubitus / Dekubitalulkus

Ein Dekubitus ist definiert als umschriebene, durch anhaltenden Druck erzeugte ischämische Hautläsion, meist über Knochenvorsprüngen. Auslösender Kausalfaktor ist eine totale bzw. relative Immobilität (Seiler et al.).

Die Entstehung eines Dekubitus lässt sich schematisiert folgendermaßen skizzieren: Kurzfristig kann die Haut selbst stärkere Druckeinwirkungen ohne Schädigung überstehen. Bleibt die Druckeinwirkung jedoch bestehen, kommt es durch die Komprimierung der Blut führenden Kapillaren im druckbelasteten Hautgebiet zu Minderdurchblutung und Sauerstoffmangel (Hypoxie). Wird nicht druckentlastet, verstärkt sich die Minderdurchblutung zunehmend bis zur kompletten Ischämie und zum irreversiblen Absterben der Hautzellen mit Nekrosen und Geschwürsbildung.

Die Zeitspanne, die Hautgewebe unter ischämisierender Druckeinwirkung ohne Schädigung überstehen kann, wird mit etwa zwei Stunden angegeben. Allerdings unterliegt dieser Toleranzbereich starken patientenindividuellen Schwankungen, z. B. durch dünn gewordene, gegen Druck wenig widerstandsfähige Altershaut.
Primäre Risikofaktoren für die Entstehung eines Dekubitus sind:

  • totale Immobilität, z. B. bei Bewusstlosigkeit, Narkose oder vollständiger Lähmung
  • relative Immobilität, z. B. bei Sedierung, starken Schmerzzuständen, Halbseitenlähmung und Sensibilitätsstörungen unterschiedlichster Ursachen

Als sekundäre Risikofaktoren gelten alle Zustände und Krankheitsbilder, die vor allem die Funktionsfähigkeit und Widerstandskraft der Haut beeinträchtigen, z. B. Mangeldurchblutung der Haut, Fieber, Inkontinenz, reduzierter Allgemeinzustand, physiologische Hautalterung und operationsspezifische Risiken wie beispielsweise Scherkräfte durch Druck und Zug.

Dekubitalulzera können sich grundsätzlich an jeder Körperstelle entwickeln. Das größte Risiko aber ist gegeben, wenn der Druck auf ein Hautareal einwirkt, das über einem Knochenvorsprung liegt und wenig durch Unterhautfettgewebe abgepolstert ist. Dementsprechend sind die klassischen Dekubitusstellen der Sakralbereich, die Fersen, die Sitzbeine, der große Rollhügel (Trochanter major) sowie die seitlichen Knöchel. Ca. 95 % aller Dekubiti treten an diesen Stellen auf.

Die Schwere eines Dekubitus wird danach beurteilt, welche Haut- bzw. Gewebeschichten durch die Druckschädigung bereits zerstört wurden. Eine häufig benutzte Einteilung ist die in vier Kategorien / Stufen / Grade, die sich an „National Pressure Ulcer Advisory Panel“ (NPUAP) und „European Pressure Ulcer Advisory Panel“ (EPUAP) von 2009 orientiert.

  • Grad I: Nicht wegdrückbare, umschriebene Rötung bei intakter Haut, gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung. Richtungsweisend: Überwärmung der Haut, Verhärtung oder Ödem.
  • Grad II: Teilzerstörung der Epidermis bis hin zur Dermis. Es handelt sich um ein oberflächliches Ulkus, das sich klinisch als Abrasion, Blase oder flacher Krater manifestieren kann.
  • Grad III: Zerstörung aller Hautschichten – Epidermis, Dermis, Subcutis – die bis zu den Faszien reichen kann, wobei diese jedoch noch nicht betroffen sind. Es zeigt sich ein tiefes, offenes Geschwür mit oder ohne Unterminierung des umliegenden Gewebes.
  • Grad IV: Totaler Gewebsverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln und ausgedehnten Gewebsnekrosen. Unterminierungen und Taschenbildung kommen ebenfalls häufig vor.

Die Behandlung eines Dekubitus beinhaltet folgende Schritte:

  • Erstbeurteilung (Assessment) der Gesamtsituation, die sowohl lokal den Ulkuszustand als auch den allgemeinen Patientenstatus erfasst.
  • Vollständige Druckentlastung des geschädigten Hautgebietes zur Wiederherstellung der Blutversorgung.
  • Phasengerechte feuchte Wundbehandlung mit Débridement und Infektionsbekämpfung; die Möglichkeiten der plastisch-chiurgischen Defektdeckung sind zu eruieren und ggf. anzuwenden.
  • Adjuvante Therapien zur Verbesserung des Allgemeinzustandes und Ernährungsstatus des Patienten sowie zur adäquaten Schmerzbekämpfung; Störfaktoren der Wundheilung sind zu behandeln.
  • Sorgfältige Dokumentation zur Qualitätskontrolle und haftungsrechtlichen Absicherung.